Dossier zum Thema - UKW oder Internet?

Radio ist und bleibt ein »Zu Hause«- und »Unterwegs«-Medium. So hält eine Studie aus der Ausgabe 3/2009 der Media Perspektiven bei der Untersuchung der Potenziale von Webradio fest, dass Radiohören per Internet noch am Anfang steht. Die Lösung Internet hätte sich laut Meinung der Forscher »eingeschlichen«, während das politisch avisierte Digital Audio Broadcast (DAB) - ebenso wie Digitales Satellitenradio - gegenüber dem konventionellen Übertragungsweg UKW - nicht durchsetzen konnte.  DAB scheint gegenüber der traditionellen Rundfunknutzung keine Alternative zu sein. Insbesondere muss hier ferner die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland berücksichtigt werden. Lokale Hörfunkprojekte - wie Freie Radios - sind mit DAB nicht möglich. Außerdem steht der finanzielle Aufwand für neue Endgeräte in keinem Verhältnis zum Zusatznutzen gegenüber UKW. 
Die UKW-Geräteausstattung liegt aktuell bei 98,1 Prozent, wobei oft mehrere Geräte im Haushalt als auch zur mobilen Nutzung vorhanden sind. Das theoretische Potential von Internetradio »Zu Hause« steigt zwar mit der Internetnutzung weiter an, wird aber lediglich bei 43 Prozent der ab 14-Jährigen geschätzt, da sowohl die entsprechende Technologie in Kombination mit einem Breitbandanschluss vorliegen muss. Für IP-Radio wird das Potenzial ferner lediglich bei 34 Prozent gesehen, da hier die Notwendigkeit lokaler WLAN-Netzwerke besteht. Die nahezu lineare Übertragung eines Programms erfolgt Online durch Livestreams, die seit Mitte der 1990er Jahre möglich sind und seit der Jahrtausendwende verstärkt genutzt werden. Anders als bei Radio On Demand oder Podcasting, werden die Inhalte nicht lokal gespeichert. Es erfolgt lediglich eine sofortige Umwandlung in ein Audiosignal. Weiterhin wäre zu erwähnen, dass unterschiedliche technische Formate als Livestreams möglich sind. Online stehen unzählige Lösungen zur Verfügung, was es allerdings eher komplizierter als einfacher macht. 

Streams werden dabei wie das klassische UKW-Radio begleitend genutzt. Da es sich auch um eine relativ neue Form der Radioübertragung handelt. gibt es keinen abschliessenden Forschungsstand.  Dabei lassen sich ritualisierte Zusammenhänge vermuten, wie das bei vorhandener UKW-Versorgung die ritualisierte Sendernutzung auch am Rechner erfolgt. Das analoge UKW-Portfolio beeinflusst auch die Online-Radio-Nutzung, da Lokalität und Sendertreue Radio-typische Einschaltgründe bleiben. Der Austausch von Audiodateien fordert auch im Zeitalter des Datenkomprimierungsformates MP3 eine gewisse Bandbreite. 

Aus diesen Betrachtungen heraus wird deutlich, dass Internet als eine Ergänzung der »Zu Hause«-Nutzung verstanden werden kann. Eine Alternative zu UKW insbesondere in Blick auf die »Außer Haus«-Nutzung ist Internetradio nicht. 

So äußerte sich Dietmar Timm - geschäftsführend verantwortlich für das Online-Angebot vom Deutschlandradio- in einem Interview in einer noch nicht veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit zu dieser Problematik wie folgt: 

»Ich würde nie hingehen und sagen: Leute schmeißt Eure UKW-Radios weg, denn dabei geht es um meinen Kernauftrag, denn dieser besteht für uns in der Ausstrahlung von Radioprogrammen. (...) Das was wir im Internet machen, ist ein schöner Zusatz, zunächst aber nicht unser Hauptauftrag. Deshalb halte ich solche Aussagen für sehr gefährlich. Ich glaube nicht, dass man gut beraten wäre, für die nächsten Jahre nur noch aufs Internet zu setzen. Das Radio ist noch lange nicht tot.«


FAZIT

In der Frage zu den Übertragungswegen darf es auch für Freie Radios in Sachsen nicht entweder UKW oder Internet heißen. Vielmehr muss die Frage nach den wichtigsten Übertragungswegen für die nahe Zukunft mit sowohl UKW als auch Internet beantwortet werden. So gehen übrigens sowohl alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als auch die privat-kommerziellen Anbieter vor. Dies muss genauso für die Freien Radios gelten. Daher bieten die sächsischen Freien Radios, ergänzend zum UKW-Verbreitungsweg, natürlich längst ebenso Online-Streams wie Podcasting an. Diese sind lediglich ein praktischer Zusatz. Insbesondere im Hinblick auf Formate - wie sie gerade in Freien Radios zu finden sind - wie Seniorensendungen oder interkulturelle Redaktionen kann von keinem konsistenten Gegenvorschlag zu UKW gesprochen werden. 




Michael Wallies, 05.12.2009

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3 Kommentare

Das mit den eingeschränkten Empfangsmöglichkeiten bei der Altersgruppen unter 14 und und über 65 ist völliger Unsinn. Welche Studie liegt euch denn vor, die behauptet dass Kinder unter 14 Jahre das Internet nicht für sich nutzen können?
Warum verteufelt ihr so das Internet?

Lieber Mirko,
ich bin über das Missverständnis durchaus überrascht - es geht dabei nicht darum zu sagen, dass niemand unter 14 Jahren das Internet nutzt ... Im Rahmen der Langszeitstudien von ARD/ZDF - die in den Media Perspektiven veröffentlicht werden - ist es so, dass nur Personen ab 14 erfasst werden. D.h. die Statistik spricht für diesen Teil der Nutzerschaft.

Ich beziehe mich auf folgende Studie: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/03-2009_Windgasse.pdf

Die Ausgabe war genannt und dürfte leicht zu finden sein. Es handelt sich dabei um eine medienwissenschaftliche Standardpublikation.

Das die Internet-Nutzung im Alter rückläufig ist, ist - noch immer - der Fall. Das kannst Du unter anderem hier nachlesen: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/Eimeren1_7_09.pdf

Wer Webradio nutzt, macht das nur, wenn er permanent online ist. Das so manche Silver-Surfer alle Tage mal Online gehen, hat damit noch wenig zu tun. Wir haben eine hervorragende Seniorenredaktion. Das diese Leute E-Mails schreiben können, bedeuetet aber noch lange nicht, dass sie ihre UKW-Radios wegwerfen wollen.

Wichtig ist auch zu differenzieren, wie&wo man das Internet nutzt. ZU HAUSE nutze ich Webradio auch in meinem Zimmer, aber nicht in der Küche oder im Bad. Da steht das UKW-Radio. Es geht um die Wahrung des Status Quo. Aber was ist AUSSER HAUS - sag mir doch da eine Alternative - im Auto, beim Fahrrad-Fahren, Joggen etc. AUSSER HAUS ist eine wesentliche Komponente der Radionutzung. Hier gehen maximal Angebote wie Podcasting, aber kein Live-Radio.

Fast jedes handelsübliche Mobile-Telefon erlaubt die Nutzung von UKW-Radio - aber keine kostengünstige WEBRADIO-Nutzung. Man denke zum Besipiel daran wie lückenhaft UMTS funktioniert.

Persönlich fände ich ein Verhandlungsergebnis gut, was mittelfristig den vor Jahren erkämpften UKW-Status Quo sichert und uns die Möglichkeit gibt, die komplementären Online-Streams etc. auszubauen. Hier senden wir natürlich seit Jahren via STREAM. Die Zukunft mag im Netz liegen, aber Tim Renner sagt immer so schön, mann braucht das Analoge fürs Digitale. So ist die Zahl der Online-Nutzer von MOTOR.FM übrigens da am Höchsten, wo es auch die UKW-Angebote gibt.

Das ist also wirklich keine Online-Verteufelung, sondern eine nüchterne Betrachtung!

Beste Grüße * Michael Wallies

Lieber Mirko - weitere Argumente im Interview mit Dr. Angela Frank, stellvertretende Präsidentin der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Würtemberg:

http://mephisto976.uni-leipzig.de/sendungen/direkt/beitrag/artikel/erhalt-der-freien-radios-in-sachsen-noch-immer-ungeklaert.html

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