Pressemitteilung, 21. Dezember 2009 - Fortbestand der sächsischen Freien Radios nicht gewährleistet

Die Verhandlungen zwischen den sächsischen Freien Radios und Apollo Radio sind endgültig gescheitert. Damit ist auch der „sächsische Sonderweg", der 2004 unter Mitwirkung der Sächsischen Landesmedienanstalt geschaffen wurde, nicht mehr gangbar. Dieser Sonderweg sieht vor, dass die Sende- und Leitungskosten der Freien Radios durch den kommerziellen Mantelanbieter Apollo Radio gezahlt werden.

Das heutige Gespräch wurde vom Präsidenten des Medienrates, Professor Kurt-Ulrich Mayer moderiert, der die Interessen der Privatradioanbieter scheinbar mehr im Blick hat, als die der ehrenamtlich engagierten RadiomacherInnen.

Der Kompromissvorschlag der Freien Radios, die Primetime-Sendezeit von 18 bis 19 Uhr an Apollo Radio für die privatwirtschaftliche Vermarktung abzugeben, wurde abgelehnt.
Die Freien Radios wollen sich nicht auf ein reines Nischenradio reduzieren lassen, das erst in den in den späten Abendstunden ab 20 oder 21 Uhr sendet. Außerdem wäre Apollo Radio maximal für ein weiteres Jahr bereit gewesen, mit ihnen zu kooperieren. „Die Vertagung des Problems auf ein weiteres Jahr rechtfertigt in keiner Weise ein Aufgeben der Sendezeit in den frühen Abendstunden und damit den Verlust wichtiger Zielgruppen", sind sich die Vertreter der Freien Radios einig.

Damit muss sich die Sächsische Landesmedienanstalt die Frage gefallen lassen, ob sie in der Sicherung der Meinungsvielfalt in Sachsen versagt hat. Ein grundsätzliches Verständnis für die Anliegen Freier Radios scheint nicht zu bestehen, wenn privatwirtschaftliche Interessen bedient werden sollen.", sagt Andreas March, Vorstand von Radio Blau.

Das Scheitern der heutigen Verhandlungen hat für die sächsischen Freien Radios harte Konsequenzen. Sie sehen einer unklaren Zukunft unter verschärften Bedingungen entgegen. „
Wir können uns die Finanzierung der Sende- und Leitungskosten aus eigener Tasche einen oder vielleicht zwei Monate leisten. Für eine längere Zeit sehe ich schwarz", sagt Daniel Ott, Vorstand von Radio T.

Somit haben die kommerziellen Anbieter ihr Desinteresse an einer Lösung unter Beweis gestellt. Ott weiter: „Das sollte nun auch den Abgeordneten des sächsischen Landtages zu denken geben. Dort wird bald über ein neues Mediengesetz beraten, das auch die Finanzierung des Freien Radios durch die Landesmedienanstalt regeln muss."

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15 Kommentare

Ich nochmal: Bin ein wenig verwirrt, hatte nämlich vor paar Tagen noch einmal der Staaskanzlei geschrieben und darauf hingewiesen, dass - wie ja auch hier bemerkt wurde - der Medienrat "die Interessen der Privatradioanbieter scheinbar mehr im Blick hat, als die der ehrenamtlich engagierten RadiomacherInnen."
Nun wurde mir soeben geantwortet, dass dem keinesfalls so sei - und hinzugefügt:
"Gestern Nachmittag [21.12.] hat ein Gespräch aller Beteiligten bei der SLM stattgefunden, bei dem eine abschließende Lösung des Problems gefunden wurde. Damit wurde ein Weiterbetrieb der NKL mit der bestehenden Sendezeit und -dauer erreicht."
Wie ist das zu deuten?

Diese Pressemitteilung ist eine Frechheit und gibt den tatsächlichen Gesprächsverlauf bei der SLM nicht wieder. Die SLM wird unter Verweis auf das während des Gesprächs geführte Protokoll Presseanfragen zum Thema beantworten und die falsche Darstellung der NKL zurückweisen. Die NKL haben jeden Kompromiss abgelehnt und expressis verbis auf Nachfrage bestätigt, dass sie ab Januar selbst die Kosten für ihre Ausstrahlung zahlen werden.

@ athene, (die ja offensichtlich von der SLM ist)
Damit wir uns alle ein eigenes Bild machen können, wäre es schön, wenn das Protokoll hier eingestellt wird.

Unten lest Ihr die MI von apollo radio - wenn das so beim SLM-Termin vorgeschlagen wurde, dann kann ich mich Athene nur anschließen, dass die MI der NKL schlichtweg Fakten verschweigt, verdreht.

Bürgerradios lehnen
Kompromissvorschlag der SLM ab

NKL wollen ab Januar 2010 Kosten selber tragen

Leipzig/Sachsen. 21.12.2009. Bei einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern der nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) und von Vertretern von apollo radio))) bei der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), haben die NKL heute den Kompromissvorschlag der SLM für eine Lösung ihrer Finanzierungsprobleme abgelehnt.

Der Vorschlag der SLM sah vor, apollo radio))) zu Vermarktungszwecken eine Ausweitung der Sendezeit auf wochentags bis 20.00 Uhr zu ermöglichen. Im Gegenzug sollten die nichtkommerziellen Anbieter vier zusätzliche Sendestunden am Wochenende erhalten (Sendebeginn Samstag und Sonntag 10.00 Uhr statt bisher 12.00 Uhr). Zudem beinhaltete der Vorschlag der SLM eine weitere Kostentragung der Sende- und Leitungskosten der Bürgerradios durch apollo radio))) befristet auf drei Jahre, um bis dahin alternative Finanzierungsmodelle für die technischen Kosten zu entwickeln.

Die NKL kündigten an, ab Januar 2010 selbst für die Sende- und Leitungskosten aufzukommen.

Hieße das nicht, 5 x 2 = 10 Stunden weniger von Montag bis Freitag? Dann wären die 4 Stunden mehr am Wochenende doch wohl kaum ein adäquater Ersatz. Zudem muss man sich trotz (oder gerade wegen) aller Zahlenspielereien und Kompromissvorschläge generell, d.h. grundlegend fragen, welchen - ganz allgemein gesagt - gesellschaftlichen Nutzen ein Programm wie "Apollo Radio" hat, gerade im Vergleich zu den freien Radios.

Ich verstehe es alles nicht mehr. Wozu die gesamten bemühungen und das fast hysterische Gehabe der letzten Wochen, wenn auf einmal die freien Radios dann doch das notwendige Kleingeld für die Zahlung der Sendungsleitungskosten aufbringen können. Wer macht hier eigentlich gerade wem was vor? Ich denke, es ging auch darum eine politische Willensentscheidung herbeizurufen? Und woher nehmen denn die freien Radios auf einmal das Geld her? Das was ich aus dem Interview mit Herrn Mayer heraushöre ist, dass die freien Radios komplett bei den Verhandlungen eingeknickt sind. Bitte mal um Erklärungsversuche. Wie soll das denn in der Praxis ab Januar aussehen? Unmöglich kann bis dahin doch ein tragfähiges Finanazierungsmodell bei den freien Radios existieren.

So wie ich es aus diversen Gesprächen mitbekommen habe, wären die Leute von apollo auf das Vermittlungsangebot der SLM eingegangen. Aber die Ablehnungshaltung seitens der NKL ist hier schon bemerkenswert. Da wird ein Angebot gemacht, welches lediglich sechs Stunden weniger UKW-Sendezeit bedeutet hätte, drei! weitere Jahre Kostenübernahme durch apollo - und trotzdem sofortige Absage ohne weitere Rücksprache mit den vielen Mitgesatltern der freien Radios. Sicher, 20 Uhr ist nicht 18 Uhr. Aber von der Maximalposition apollos ausgehend, die Kosten gar nicht mehr übernehmen zu wollen oder jeden Tag erst ab 21 Uhr zu senden, ist da doch erkennbar Bewegung drin. Dem gegenüber steht die zumindest nach Außen erkennbare Unbeweglichkeit der NKL. Hier sieht man nur ein Beharren aus Maximalforderungen. So sind Kompromisse nicht möglich.
Allerdings, und das sei hier positiv zu bemerken, sollten die NKL künftig tatsächlich die Kosten über Spenden aufbringen, wären sie tatsächlich das erste Mal "freie" Radios. Wenn man sich die endlos langen Listen der Unterstützer auf den Homepages ansieht, müsste mit einem Einsatz von lediglich 5 Euro im Jahr pro Unterstützer wohl alles machbar sein.
In diesem Sinne: frohe Weihnachten!

Hier mal ein Artikel aus der L-IZ samt Gespräch mit Melanie Ott vom Bundesverband der freien Radios.
@ Seher: Wenn man eine politische Lösung will, muss man auf dieser "Maximal"forderung beharren, und das ist erstmal unabhängig davon, ob es noch andere Lösungsmöglichkeiten gibt. Zudem: die SLM sollte jetzt weiter Druck bekommen, sonst glauben die wirklich noch, sie seien bloßer Vermittler und Ausführer dessen, was andere beschließen. Das sind sie eben nicht, sie haben sehr wohl politisches Gewicht, nur können oder wollen sie es in der Sache (bisher) nicht nutzen.
Ich ziehe deshalb vor den Leuten den Hut, die da bei den Verhandlungen mit Apollo Radio nicht eingeknickt sind.

Liebe Leute,
wie es heißt, geht der Sendebtrieb im Januar "normal" weiter. Was mich nun interessieren würde: Welche Aktionen sind geplant, um eine politische Lösung herbeizuführen bzw. was kann der/die Einzelne tun (wenn die Abgeordneten nicht mit sich reden lassen)? Und ab wann kommen auf die freien Radios eigentlich Kosten zu (d.h. wann kommt die erste Rechnung) und wie lange kann man nach dem Stand der Ding durchhalten = bezahlen? Und wie hoch sind die Kosten eigentlich genau?
Fragen über Fragen, ich weiß, aber sie sind wichtig, wenn wir Antworten und Lösungen wollen.

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